20 Jahre jem – Ein Rückblick

Wenn wir zurückblicken und uns ansehen, welche ernährungsmedizinisch relevanten Themen uns die letzten 20 Jahre begleitet haben, gibt es solche, die von Anfang an Thema waren und bei denen es immer wieder neue Erkenntnisse gibt. Und es gibt solche, die erst in den letzten Jahren interessant wurden und an Bedeutung gewonnen haben.

Diabetes

Studien zur Ernährung bei Diabetes mellitus sind sehr zahlreich und haben uns während der gesamten 20 Jahre begleitet. Die Empfehlungen haben sich im Laufe der Zeit stark geändert: von „kohlenhydratarm/fettreich“ hin zu „gesunder Ernährung“ mit einer Anpassung der Kohlenhydrate auf 40 bis 50% der Energie und Fette auf ca. 30% der Energie.

Adipositas

Die Epidemiologie der Adipositas, konkret die dramatische Zunahme in den letzten zwei Jahrzehnten: laut WHO ist Adipositas die größte Bedrohung der Gesundheit im 21. Jahrhundert. Die Ergebnisse therapeutischer Ansätze sind insgesamt sehr bescheiden. Forschungen auf dem Gebiet der Prävention sind erst in den Kinderschuhen und überfällig. Diese werden von der WHO vehement gefordert.

Bariatrische Chirurgie

Es gibt einen deutlichen Trend in Richtung bariatrische Chirurgie. Neu seit ca. zehn Jahren: auch bei Jugendlichen ist die bariatrische Chirurgie zu einem „Routine-Eingriff“ geworden und es werden laufend neue OP-Techniken entwickelt wie z.B. die EndoBarrier-Methode. Als Problem hat sich die Nachbehandlung und dabei insbesondere die Vermeidung von Nährstoffdefiziten herausgestellt.

Krebs

Die Ernährungstherapie bei Krebs ist ein relativ „neues“ Thema. Eine spezifische Ernährung bei Krebs gibt es nicht, wesentlich ist jedoch, dass eine Mangelernährung mit schlechtem Outcome verbunden ist und daher vermieden werden sollte. Die Diagnostik der Malnutrition ist für die Klinik ein „Muss“.

Reizdarm

Die Erforschung des Reizdarmsyndroms hat in den letzten Jahren keinen therapeutischen Durchbruch gebracht. Neue Diätformen wie z.B. die sogenannten „FODMAPs“, also die Reduktion fermentierbarer Oligosaccharide, Disaccharide, Monosaccharide und Polyole, werden in den letzten Jahren in diesem Zusammenhang immer wieder mit Erfolg angewendet. Der Psyche kommt ebenfalls große Bedeutung zu.

Pro- und Präbiotik

Wissenschaftliche Untersuchungen zu Pro- und Präbiotika haben uns während der letzten 20 Jahre von Anfang an begleitet. Das Darm-Mikrobiom ist in weiten Teilen nach wie vor ein wohlgehütetes „Geheimnis“. Die Forschung zeigt jedoch völlig neue und vielversprechende Aspekte für die Zukunft auf.

Malabsorptionen/Allergien/Unverträglichkeiten

Nahrungsmittel-Malabsorptionen sind schon sehr lange im Gespräch, die Bedeutung von Nahrungsmittelallergien hingegen hat erst in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Vielfach werden diese Begriffe allerdings vermischt; gefühlte „Unverträglichkeiten“ werden häufig als diagnostiziert dargestellt.

Fette

Bei den Fetten ist man sich der günstigen Effekte von Omega-3-Fettsäuren schon länger bewusst. Diese waren in den letzten 20 Jahren immer wieder Teil wissenschaftlicher Studien. Die Erforschung von Transfettsäuren hingegen hat in Österreich erst in den letzten fünf bis zehn Jahren an Bedeutung gewonnen. Daten über den Effekt der gesetzlichen Reduktion sind leider nicht vorhanden.

Mikronährstoffe

Mikronährstoffe werden schon sehr lange erforscht. In den letzten Jahren beschäftigten sich Studien auch immer mehr mit einer möglichen Über- oder Unterversorgung. Klar ist, dass gesunde Menschen, die sich „gesund“ ernähren, keine Supplemente benötigen. Dies trifft für Subgruppen wie zum Beispiel Kranke, nach Operationen oder bei Chemotherapie nicht zu.

Zucker

Zucker wurde in den letzten Jahren immer wieder „verteufelt“. Für eine Forderung der Reduktion der Zuckeraufnahme auf unter 10% der Gesamtenergie gibt es laut EFSA allerdings keine Evidenz.

Nahrungsergänzungsmittel

Die Bedeutung von Nahrungsergänzungsmitteln hat in den letzten 20 Jahren stetig zugenommen. Während in der Forschung vor allem die möglichen positiven Wirkungen im Mittelpunkt stehen, gibt es seit ca. 2010 immer wieder auch Berichte über mögliche negative Effekte einer Überversorgung.

Body Composition

Body Composition ist seit 2010 ein Top-Thema der Ernährungsmedizin. Der BMI rückt immer mehr in den Hintergrund. Die besten Informationen für viele Fragestellungen liefert die individuelle Körperzusammensetzung.

Guidelines

Ernährungsempfehlungen gibt es schon sehr lange, es werden auch laufend neue Guidelines in verschiedenen Ländern herausgebracht. Ab 2003 boomten sogenannte „Ernährungspyramiden“, diese haben sich allerdings nicht bewährt. Heute geht das Interesse in Richtung „Gesunde Teller – Healthy Plate“, die sich einfacher und verständlicher präsentieren.

Alternative Ernährungsformen

Alternative Ernährungsformen und populäre Diäten haben in der Ernährungsmedizin in den letzten 20 Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Ursprünglich boomten „Low-Carb-“ und „Low-Fat-“Diäten. Beide sind inzwischen obsolet. Heute sind zum Beispiel „10in2 – Alternierendes Fasten“ und Vegane Ernährung im Trend. Bei letzteren sind Nährstoffdefizite zu erwarten.

Aktuelle Ernährungstrends

Aktuelle Ernährungstrends betreffen unter anderem „Superfoods“, Insekten und eine pflanzlich-betonte Kost.

 

OEAIE 2018 Fallmann K., Widhalm K.

 

 

Redaktion