Einen Prozess in Gang setzen

Ärztekammerpräsident a.o. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres im Gespräch.

JEM Laut Weltgesundheitsorganisation WHO ist davon auszugehen, dass die ohnehin schon große Prävalenz von Übergewicht und Adipositas in allen europäischen Staaten bis 2030 auf mehr als 50 Prozent steigen wird.

Szekeres Adipositas ist tatsächlich eines der größten Gesundheitsprobleme unserer Zeit, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Übergewichtige Kinder sind die kranken Erwachsenen von morgen. Da eine effektive Gewichtsreduktion bei Erwachsenen äußerst schwierig ist, müssen präventive Maßnahmen auch und vor allem bei Kindern ansetzen.

JEM Welche Bedeutung haben da einzelne, kleinere Projekte?

Sezkeres Nach dem Motto „Think global, act local“ muss es Präventionsprogramme auf lokaler Ebene geben. Um noch ein Sprichwort zu zitieren: Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Was anfangs als eine lediglich kleine Verhaltensänderung erscheinen mag, kann auf längere Sicht große Wirkungen zeigen. Das betrifft nicht nur die unmittelbar involvierten Personen. Wir brauchen auch Projekte, die geeignet sind, als Basis für eine Ausweitung zu fungieren. Es gilt ja, einen Prozess in Gang zu setzen, der weitreichende Verhaltensänderungen in der Gesellschaft bewirkt.

JEM Welche Qualitätskriterien sind bei solchen Präventionsprojekten anzulegen?

Szekeres Abgesehen von einer soliden fachlichen Grundlage und Durchführung ist auch eine Auswertung nach wissenschaftlichen Kriterien zu fordern.

JEM Welche Rolle spielen da die Schulen? Das Projekt EDDY-young wurde ja in Wiener Volksschulen durchgeführt.

Szekeres Schulen spielen eine wichtige Rolle, wobei Adipositasprävention nur funktionieren kann, wenn Eltern und das ganze Umfeld eingebunden sind. Gesundheitsvorsorge in den Schulen ist in Österreich allerdings ein schwieriges Thema. Die Kompetenzen sind zwischen mehreren Ministerien aufgeteilt. Hier gibt es auf struktureller Ebene noch viel zu verbessern. Schulärzte könnten einen wesentlich größeren Beitrag leisten, als derzeit möglich ist.

JEM Wie sieht es mit der Prävention in Österreich generell aus?

Szekeres In Österreich werden signifikant weniger Mittel für Prävention aufgewendet als im Schnitt der OECD-Staaten. Es kommt nicht von ungefähr, dass nur 11,5 Prozent der 15-Jährigen täglich körperlich aktiv ist. Das ist ein international sehr schlechter Wert. Dabei werden die Ausgaben für Präventionsmaßnahmen durch ein Vielfaches an Einsparungen bei Therapiekosten nachgewiesenermaßen wieder wettgemacht.

Redaktion