Fruktosemalabsorption – Ungut und zunehmend

Fruktosemalabsorption als Transportproblem über die Darmschleimhaut zieht zwar keine gravierenden Folgen nach sich, kann aber für beträchtliche Beschwerden sorgen. Im Zug des Anstiegs beim Reizdarmsyndrom und steigender Verwendung in Lebensmitteln nimmt die Zahl der Betroffenen mit spürbaren Symptomen zu.

Fruktose ist der Zucker mit der stärksten Süßkraft – allerdings auch einer der Zucker mit einer oft relativ geringen Aufnahmerate im Dünndarm, was für ein relativ häufiges Auftreten von Malabsorption mit der entsprechenden Symptomatik führt. Die Aufnahme von größeren Mengen Fruktose insbesondere in größeren Mengen im Verhältnis zu Glukose kann gestört sein. Die Aufnahme von Fruktose erfolgt wesentlich langsamer als diejenige von Glukose. Fruktose wird entlang ihres Konzentrationsgradienten in die Epithelzellen der Dünndarmmukosa aufgenommen. Der daran beteiligte GLUT-5-Transporter dient lediglich der erleichterten Diffusion. Ein nicht zu unterschätzender Anteil der Bevölkerung weist scheinbar  einen Mangel an diesem Transportmolekül auf. Die Folgen sind bekannt. Die im Dünndarm nicht aufgenommene Fruktose gelangt in den Dickdarm und wird von den dort ansässigen Mikrobiota verwertet. Als Stoffwechselprodukte entstehen dabei unter anderem kurzkettige Fettsäuren, die ja durchaus positive Wirkungen entfalten, aber auch Methan, Kohlendioxid und Wasserstoff, die für die bekannten Beschwerden sorgen. Grundsätzlich wird ein Auftreten eher im Erwachsenenalter registriert.

„Schätzungsweise 30 bis 50 Prozent der Bevölkerung dürften von einer Fruktosemalabsorption betroffen sein“, resümiert Univ.-Prof. Dr. Harald Vogelsang, von der Universitätsklinik für Innere Medizin III in Wien und führt aus: „In den meisten Fällen treten aber keine oder nur milde Symptome auf, sodass die Fruktosemalabsorption unbemerkt bleibt und auch kein Handlungsbedarf besteht“. Allerdings ist in den letzten Jahren doch eine deutliche Zunahme zu bemerken. Die Gründe dafür sind auf mehreren Ebenen zu finden: „Einerseits stellen wir beim Reizdarm eine Zunahme fest, andererseits wird in der Lebensmittelproduktion aufgrund veränderter rechtlicher Rahmenbedingungen vermehrt Isoglukose verwendet“.

Steigende Häufigkeit

Das häufigere Auftreten einer Reizdarm-Symptomatik wird mit der Leistungsgesellschaft von heute in Verbindung gebracht, die für viele Menschen chronischen Stress, Überforderung und Reizüberflutung in einem belastenden Ausmaß mit sich bringt. Die vermehrte Verwendung von Isoglukose erklärt sich mit dem Auslaufen der Zuckermarktverordnung beziehungsweise der EU-Zuckerquote mit 1. Oktober 2017. Darin waren Herkunft des Zuckers und Preise für die landwirtschaftlichen Produzenten geregelt. 85 Prozent des Zuckers mussten aus europäischer Produktion stammen. Dem ist nun nicht mehr so, und damit können billigere Produkte wie zum Beispiel die vor allem aus Maissirup gewonnene Isoglukose auf den Markt drängen. Dessen Anteil ist nun nicht mehr wie vor der Liberalisierung des Zuckermarktes auf fünf Prozent beschränkt. Während Glukose und Fruktose im Haushaltszucker Saccharose im Verhältnis 1: 1 enthalten sind, weisen Isoglukose-Sirupe einen zumeist wesentlich höheren Anteil von Fruktose auf.

Isoglukose mit einem hohen Anteil von Fruktose ist für Lebensmittelproduzenten eine attraktive Option aufgrund des niedrigen Preises und aufgrund der im Verhältnis zu Saccharose 1,2-fachen Süßkraft von Fruktose. Für den Konsumenten problematisch hinsichtlich Fruktosemalabsorption-bedingter Beschweren kann dies insofern leicht werden, als verschiedene Bezeichnung wie „Isoglukose“, HFCS (High glucose corn sirup), Maissirup auf den Inhaltsangaben möglich sind. Der Gehalt an Fruktose bleibt dabei allerdings im Dunkeln, man kann jedoch davon ausgehen, dass er tendenziell eher höher werden wird.

Was tun bei Fruktosemalabsorption?

Grundsätzlich stehen drei Optionen zur Verfügung, den Beschwerden einer Fruktosemalabsorption entgegenzuwirken.

  1. Beachtung der Zuckerzusammensetzung in der Ernährung. Bei unverarbeiteten Lebensmitteln ist dies freilich leichter zu bewerkstelligen als bei verarbeiteten. Dabei kommt es mehr auf das Verhältnis von v.a. Glukose zu Fruktose an als auf den absoluten Gehalt an Fruktose. Grundsätzlich ist ein Verhältnis von Glukose zu Fruktose größer als 1 günstiger als umgekehrt. Besonders viel Fruktose im Verhältnis zu Glukose enthalten viele Äpfelsorten und vor allem Birnen, die „Klassiker“ in Sachen Fruktose-induzierter Beschwerden unter den unverarbeiteten Lebensmitteln. Allerdings wird der größte Teil der Fruktose nicht mit Obst, sondern mit verarbeiteten Lebensmitteln aufgenommen. 
  2. Obst (und unter Umständen auch andere Lebensmittel) mit einem hohen relativen Fruktosegehalt ev. mit Traubenzucker, d.h. reiner Glukose, bestreuen. Dieser Ansatz dürfte angesichts des im Schnitt ohnehin überhöhten Zuckerkonsums im Großen und Ganzen wenig sinnvoll sein.
  3. In bestimmten Situationen kann die Einnahme von Xylose -Isomerase hilfreich sein. Xylose-Isomerase wandelt Fruktose in Glukose um und umgekehrt – ohne Einwirkung von außen stellt sich daher ein Gleichgewicht ein. „Da aber die Glukose im Dünndarm diesem Gleichgewicht durch den schnellen Transporter SGLT-1 entzogen wird, läuft die Reaktion physiologisch in Richtung der Glukose ab“, erläutert Dr. Florian Forster, Immunologe und Forschungsleiter der Sciotec Diagnostic Technologies GmbH, ein österreichisches Unternehmen, das seien Gründung nicht zuletzt diesem therapeutischen Ansatz verdankt.

 

 

Fruktosemalabsorption: Ernährungsanpassung mit qualifizierter Begleitung

Dies beinhaltet einen komplexen Ernährungsplan mit einer zeitlich begrenzten streng fruktosearmen Kost und einer fruktoseangepassten Langzeiternährung und erfordert die individuelle Betreuung durch entsprechend ausgebildete und geschulte Ernährungsfachkräfte. Der Kontakt zu Diätologen ist über den betreuenden Arzt oder auch die Internetseite des Verbandes möglich (www.diaetologen.at)

 

Fruktoseintoleranz – die andere Seite

Von der Fruktosemalabsorption, bei der der Fruchtzucker unzureichend resorbiert wird, zu unterscheiden ist die hereditäre Fruktoseintoleranz. Dabei handelt es sich um eine seltene (1:20.000) Stoffwechselstörung, die auf einem genetisch bedingten Enzymdefekt beruht. In diesem Fall wird Fruktose zwar resorbiert, kann in der Leber aufgrund des Mangels an Aldolase B aber nicht abgebaut werden und reichert sich dort an. Während die Aufnahme von Fruktose bei einer Malabsorption unangenehme, aber nicht schwerwiegende Beschwerden verursacht, führt die Akkumulation von Fruktose-1-Phosphat in der Leber bei einer hereditären Intoleranz zu gravierenden Schäden. Erste Anzeichen wie Erbrechen, Durchfall und auch Schock treten im Säuglingsalter bei der Einführung von Beikost auf.

 

Karin Gruber

 

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