Kaffee auch nach Herzinfarkt

Kaffee ist eines der beliebtesten und am häufigsten konsumierten Getränke weltweit. Es gibt Hinweise dafür, dass Kaffee (vor allem Filterkaffee) vor kardiovaskulären Erkrankungen und ischämischen Herzerkrankungen schützen und die Gesamtmortalität senken kann. Es gibt aber nur limitierte Daten über die Assoziation zwischen dem Kaffeekonsum und dem Mortalitätsrisiko bei Patientenkollektiven nach Herzinfarkten.

van Dongen LH, Mölenberg FJM, Soedamah-Muthu SS, Kromhout D, Geleijnse JM: Coffee consumption after myocardial infarction and risk of cardiovascular mortality: a prospective analysis in the Alpha Omega Cohort. Am J Clin Nutr 2017; 106: 1113–1120

 

Studiendesign

Ziel der vorliegenden Studie war die Untersuchung der Langzeit-Assoziation zwischen koffeinhaltigem und entkoffeiniertem Kaffee und kardiovaskulären Erkrankungen, Herzerkrankungen und Gesamt­mortalität. Die Studienpopulation wurde aus der sog. „Alpha Omega Kohorte“ gewählt. Es handelt sich dabei um eine niederländische Interventionsstudie über 3 Jahre mit über 4.000 Probanden zwi­schen 60 und 80 Jahren mit vorangegangenen Herzinfarkten, die weniger als 10 Jahre zurückliegen.

Die Beurteilung des Ernährungsverhaltens und Kaffeekonsums erfolgte über ein 203-item FFQ mit Fragen zu Häufigkeit, Menge, Typ und Art der Zubereitung des konsumierten Kaffees. Die Menge konnte dabei pro Tasse (125ml), pro Glas (150ml) oder pro Häferl (187,5ml) angegeben werden. Zusätzlich wurde die Zugabe anderer Stoffe (Süßungsmittel, Milch, Zucker) erfragt. Die Probanden wurden anhand der Aufnahmemenge kategorisiert:

  • 0 – 2 Tassen/d (0 – 250ml/d)
  • > 2 – 4 Tassen/d (> 250 – 500ml/d)
  • > 4 Tassen/d (> 500ml/d)

Neben der Assoziation mit kardiovaskulären Erkrankungen, Herzerkrankungen und Mortalität wur­den auch andere Einflussfaktoren wie Geschlecht, Gewicht, Rauchverhalten, Vorliegen von Diabetes und genereller Gesundheitsstatus berücksichtigt.

Resultate

Bei der vorliegenden Studie handelt es sich um eine prospektive Studie mit 4.365 niederländischen Probanden mit vorangegangenen Herzinfarkten. Das durchschnittliche Alter der Probanden lag bei 69 Jahren. 21% der Probanden waren weiblich und ca. 20% von Diabetes betroffen. Der letzte Herzin­farkt lag durchschnittlich 4 Jahre zurück. 96% der Probanden gaben an, regelmäßig Kaffee zu trinken (70% koffeinhaltigen, 11% entkoffeinierten und 15% beides). 4% tranken gar keinen Kaffee. Die durchschnittliche Kaffeeaufnahme lag bei 375ml/d (ca. 3 Tassen täglich).

Probanden mit hohem Kaffeekonsum (> 500ml/d) waren in der Regel jünger, eher männlich, häufiger Raucher und tranken öfter auch Alkohol. Dafür konsumierten sie in den meisten Fällen seltener grü­nen oder schwarzen Tee, gezuckerte Softdrinks, Vollkorngetreide, rotes und stark verarbeitetes Fleisch, Milchprodukte, Pflanzenöle, Schokolade, Nüsse und Samen.

Die Aufnahme von Filterkaffee (durchschnittlich 375ml/d) war mit einem geringeren kardiovasku­lären Risiko sowie einem geringeren Risiko für Herzerkrankungen assoziiert. Dabei zeigten sich ähn­liche Ergebnisse für koffeinhaltigen und entkoffeinierten Kaffee. Zusätzlich zeigte sich auch eine mögliche Senkung des Risikos für Diabetes als einer der Hauptrisikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen.

Das niedrigste Mortalitätsrisiko zeigte sich für Mengen von 500ml/d. Höhere Mengen zeigten keinen zusätzlichen Vorteil.

Conclusio

Ergebnisse der vorliegenden Studie zeigen, dass eine moderate Kaffeeaufnahme (vor allem Filter­kaffee) auch nach Herzinfarkten nicht reduziert werden muss. Filterkaffee (egal ob koffeinhaltig oder entkoffeiniert) kann dazu beitragen, das Mortalitätsrisiko nach Herzinfarkten zu senken. Weitere Studien wären nötig, um den Kaffeekonsum auch in Relation zum Schlaganfallrisiko zu un­tersuchen.

 

ÖAIE 2017; Fallmann K, Widhalm K

Redaktion