Diätologische Interventionen helfen sparen

Einer detaillierten Kosten-Nutzen-Analyse am Beispiel einer definierten Patientengruppe in den Niederlanden zufolge erspart jeder Euro, der in die Beratung und Betreuung durch Diätologinnen und Diätologen investiert wird, dem Gesundheitssystem vier Euro an krankheitsbedingten Folgekosten wie Ausgaben für Medikamente oder Spitalsaufenthalte.

Dass die diätologische Begleitung ein wichtiger Beitrag zur Prävention und Therapie ernährungs(mit)bedingter Erkrankungen ist, wurde bereits vielfach belegt. Nun liegt auch eine detaillierte Kosten-Nutzen-Analyse vor, die im Auftrag der Dutch Association of Dietitians von SEO Economic Research durchgeführt worden ist (Lammers & Kok 2011). In den Niederlanden erhalten pro Jahr insgesamt rund 360.000 Patienten eine diätologische Beratung. In die Untersuchung wurden Patienten mit Übergewicht und Komorbiditäten wie Diabetes, Bluthochdruck und/oder Hyperlipidämie einbezogen, was einem Großteil des Klientels entspricht. Im Jahr 2010 wies mehr als die Hälfte der Patienten mehr als eine Diagnose auf, rund drei Viertel waren übergewichtig, häufig  begleitet von Diabetes, Bluthochdruck und erhöhten Blutfettwerten (Tol et al 2011a).

Effekte diätologischer Interventionen

Diätologische Interventionen führen zu Verbesserungen zahlreicher Gesundheitsparameter, wobei eine positive Korrelation mit der Häufigkeit der Konsultationen besteht. Der in Studien nachgewiesene durchschnittliche Gewichtsverlust in zwölf Monaten beträgt vier bis sechs Kilogramm. Dabei korreliert die Zahl der diätologischen Konsultationen positiv mit der Gewichtsabnahme (Dansiger et al. 2007; Finkler et al. 2012). Eine weiterführende regelmäßige Beratung durch Diätologen reduziert die neuerliche Gewichtszunahme.

Diätologische Interventionen bei hypertensiven Erwachsenen führen zu einer Reduktion des systolischen und diastolischen Blutdrucks (Siebenhofer et al. 2011), die einen kombinierten Effekt aus Gewichtsabnahme und Blutdruckreduktion per se darstellt. Infolgedessen können blutdrucksenkende Medikamente reduziert oder abgesetzt werden. Erhöhte Blutfettwerte können effektiv gesenkt (Delahanty et al. 2001; Avenell et al. 2004 a,b) und die Notwendigkeit einer medikamentösen Therapie hinausgeschoben werden (Sikand et al. 2000). Auch erhöhte Blutzuckerwerte können durch diätologische Unterstützung effektiv verringert werden (Avenell et al. 2004 a, b; Coppell et al. 2010).

Eine Reduktion der Energieaufnahme um 600 Kilokalorien pro Tag verringert das Risiko, an Diabetes zu erkranken, beträchtlich (Brown et al. 2009). Diätologische Interventionen zur Verringerung eines überhöhten Salzkonsums reduzieren die Mortalität auch noch zehn Jahre danach (Cook et al. 2007). Ebenso verringert eine Gewichtsreduktion bei Diabetikern die Mortalität noch zehn Jahre danach (Poobalan et al. 2007). Weiters kann die diätologische Beratung zu einer positiven Entwicklung bei psychischen Parametern beitragen (Wolf et al. 2004; Imayama 2011).

Untersuchungen belegen, dass die Effektivität einer Ernährungsberatung von übergewichtigen Patienten mit Komorbiditäten durch Diätologen größer ist als durch Allgemeinmediziner (Delahanty et al. 2001; Willaing et al. 2004). Bei einer Befragung haben Allgemeinmediziner angegeben, dass sie weder über ausreichend Zeit noch das erforderliche spezifische Wissen verfügen (Nicholas et al. 2003). Bei einem Vergleich der diätologischen Begleitung und dem wöchentlichen Besuch von Weight-Watcher-Treffen hat sich gezeigt, dass ehemalige Brustkrebspatientinnen, die von Diätologen betreut wurde, in zwölf Monaten ihr Gewicht dreimal so stark reduzieren konnten (Jen et al. 2004). 73 Prozent beendeten die Teilnahme an Weight-Watcher-Treffen nach sechs Monaten.

Gesellschaftlicher Nutzen

Die Kosten-Nutzen-Analyse wurde gemäß den für die Niederlande entwickelten Richtlinien durchgeführt (Eijgenraam et al. 2000). Nachdem in Studien bis fünf Jahre nach der Intervention noch Effekte auf Körpergewicht und Blutzuckerspiegel nachgewiesen worden waren (Avenell et al. 2004a, b; Brown et al. 2009), wurde dieser Zeithorizont verwendet.

Die Berechnungen wurden primär mit Daten aus der ICAN-Studie durchgeführt (Wolf et al. 2004; 2007; 2009), da die Teilnehmer einerseits dem größten Patientenkollektiv mit diätologischer Beratung in den Niederlanden entsprechen und andererseits in dieser Studie auch Parameter wie Lebensqualität, Entwicklung des Medikamentengebrauchs und Krankenstände erfasst wurden. In der randomisierten, kontrollierten ICAN-Studie wurden insgesamt 127 übergewichtige Patienten mit einem BMI ≥27 und Diabetes untersucht. Der Großteil der Patienten wies Komorbiditäten wie erhöhte Blutfett- oder Blutdruckwerte auf. 76 Prozent der Teilnehmer hatten eine medikamentöse Behandlung des Bluthochdrucks.

Die Interventionsgruppe erhielt ein Jahr lang eine diätologische Betreuung im Umfang von 8,5 Stunden. Die Patienten hatten sechs Einzelberatungen im Umfang von insgesamt vier Stunden. Für administrative und vorbereitende Tätigkeiten wurde eine halbe Stunde veranschlagt. Einmal monatlich wurden die Patienten telefonisch kontaktiert, was einem Zeitaufwand von insgesamt drei Stunden entsprach. Darüber hinaus wurden sechs Gruppenberatungen durchgeführt. Die Kontrollgruppe wurde lediglich mit entsprechendem schriftlichem Informationsmaterial versorgt.

Die Betreuung in der Interventionsgruppe war mit 8,5 Stunden intensiver als die durchschnittliche diätologische Betreuung dieses Patientenkollektivs in den Niederlanden, die im Schnitt 4,5 Stunden ausmacht. Dennoch haben die Berechnungen ergeben, dass die diätologische Betreuung übergewichtiger Patienten mit Diabetes und eventuellen weiteren Komorbiditäten in hohem Maße kosteneffektiv ist.

Zum einen werden die direkten Gesundheitskosten deutlich verringert. Da der Aufwand für die diätologischen Leistungen niedriger ist als für medikamentöse Therapien und Spitalsaufenthalte, ergibt sich eine Nettoersparnis. Das Honorar für eine diätologische Beratung in den Niederlanden beträgt im Durchschnitt 58 Euro. Anders gesagt: Für jeden Euro, der in diätologische Betreuung investiert wird, werden vier Euro für Medikamente und Krankenhäuser eingespart.

Darüber hinaus bringen diätologische Interventionen einen gesamtgesellschaftlichen Nutzen mit sich, der unter anderem aus dem Gewinn an Lebensqualität und Produktivität und dem Rückgang von Krankenständen herrührt. Für die Niederlande wurde berechnet, dass das Verhältnis von Aufwand für diätologische Interventionen zu gesamtgesellschaftlichem Nutzen in einem Zeitraum von fünf Jahren bei 1:14 bis 63 liegt. Damit entspricht die diätologische Betreuung adipöser Patienten mit Komorbiditäten wie Diabetes, Bluthochdruck oder Hyperlipidämien in fünf Jahren einem Benefit von insgesamt 0,4 bis 1,9 Milliarden Euro.

 

Referenzen:

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Redaktion