Mineralölrückstände? Säuglingsanfangsnahrung ist sicher

In letzter Zeit wurden mehrfach Berichte über Mineralölrückstände in Säuglingsanfangsnahrungen veröffentlicht, wobei sich Ökotest und Foodwatch auf dieselbe, von Ökotest durchgeführte, Untersuchung beziehen. Untersuchungen des Gesundheitsministeriums konnten die Befunde jedoch nicht bestätigen. In der Folge eine detaillierte Stellungnahme von Univ.-Prof. PD. Dr. Nadja Haiden stellvertretend für die Ernährungskommission der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ).

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, 


in letzter Zeit sind mehrfach Berichte über Mineralölrückstände in Säuglingsanfangsnahrungen veröffentlicht worden. Die Berichte von Ökotest und Foodwatch beziehen sich alle auf ein und dieselbe Untersuchung, die von Ökotest durchgeführt wurde. Viele Kolleginnen und Kollegen sind daraufhin bezüglich der Sicherheit von Säuglingsmilchen verunsichert. Ebenso sind die Eltern von Säuglingen verunsichert und es mehren sich die Berichte, dass nicht gestillten Säuglingen wieder verdünnte Kuhmilch anstatt Säuglingsmilch gefüttert wird.
Möglicherweise sind Sie in Ihrer Beratungstätigkeit auch schon mit Fragen zu diesem Thema konfrontiert worden. 

Deshalb wendet sich die Ernährungskommission der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde mit folgenden Informationen an Sie: 
Mineralölverbindungen können in Lebensmitteln vorkommen. Sie gelangen aus unterschiedlichen Eintragsquellen in die Lebensmittel, wie zum Beispiel durch Schmierstoffe aus Maschinen zur Ernte, im Herstellungs- oder Verpackungsprozess beziehungsweise aus bestimmten Lebensmittelverpackungen (z. B. aus Recyclingkartons). Mineralöle sind komplexe Gemische aus Kohlenwasserstoffverbindungen die in gesättigter (MOSH - mineral oil saturated hydrocarbons) und aromatischer Form (MOAH - mineral oil aromatic hydrocarbons) vorkommen. Natürliche Kohlenwasserstoff-Verbindungen in Pflanzenwachsen sind den MOSH in ihrer chemischen Struktur sehr ähnlich und daher von diesen analytisch schwer zu unterscheiden.
Vor Weihnachten gab es zu dem Thema eine Sitzung im Gesundheitsministerium, bei der Vertreter der AGES anwesend waren. 

Folgende Punkte zum Thema Mineralölrückstände sind relevant: 

1) Es gibt derzeit keine Grenzwerte für Mineralölrückstände in Lebensmitteln.

2) Zum gegenwärtigen Zeitpunkt herrscht Unklarheit, wieviele MOSHs und MOHAs es überhaupt gibt und welche von Ihnen ein potentielles Gesundheitsrisiko darstellen- bzw. welche Beschwerden/Krankheiten sie verursachen können. 

3) Es ist unklar, welche Methoden bei der Untersuchung von Ökotest angewandt wurden – es gibt auch trotz Nachfrage keine Auskunft seitens Ökotest darüber.

4) Die Ergebnisse der von Ökotest angestrebten Untersuchungen konnten in denselben Chargen nicht reproduziert werden – das Gesundheitsministerium hat hier Untersuchungen in unabhängigen Labors durchgeführt.

5) Ökotest wurde mitgeteilt, dass ihre Befunde nicht bestätigt werden können. Die Zeitschrift erklärte dazu, an ihren Ergebnissen gleichwohl festzuhalten und zudem an keinerlei Austausch der eingeschalteten Analysenlaboratorien interessiert zu sein. 

6) Es gibt daher auch keine Rückholaktionen seitens des Gesundheitsministeriums – auch keine Produktwarnung oder Empfehlung an die Krankenhäuser – die Rückholaktionen wurden von den Herstellern selbst getätigt und waren keinesfalls eine Forderung des Gesundheitsministeriums aufgrund irgendwelcher Mängel. Säuglingsmilchen sind nach derzeitigem Wissensstand sicher.
 

Stellungnahme der AGES zur Foodwatch-Warnung: 
https://www.ages.at/service/service-presse/pressemeldungen/ages-zu-mineraloel-rueckstaenden/
Stellungnahme der AGES zu Mineralölrückständen: 
https://www.ages.at/themen/rueckstaende-kontaminanten/mineraloele/ 

Wir hoffen Ihnen mit diesen Informationen hilfreich gewesen zu sein.

 

Mit besten Grüßen

Univ.-Prof. PD. Dr. Nadja Haiden

stellvertretend für die Ernährungskommission der ÖGKJ

 

 

Redaktion